Was breitet sich in unserer Gesellschaft aus?

Diese Frage hört sich in der aktuellen Situation sehr seltsam an. Die Antwort liegt auf der Hand: Corona. Dieser Virus hat sich innerhalb von ein paar Wochen von einem belächelten Grippeverschnitt zu dem größten globalen Chaos der letzten Jahrzehnte gewandelt. Selbst wer nicht mit dem Virus an sich zu kämpfen hat, bekommt die Nebenwirkungen zu spüren: Massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens, nie dagewesene Verbote, Schließungen von Schulen und Absagen von Gottesdiensten. Vieles, was noch vor ein paar Wochen völlig selbstverständlich war, ist plötzlich nicht mehr möglich. Mit dem Virus breiten sich Unsicherheit, Ungewissheit, Egoismus und Angst aus.

Gott sei Dank gibt es nicht nur schlechte Dinge in dieser Zeit der „sozialen Isolation“ zu berichten. Diese Isolation ist tatsächlich sozialer als zuerst gedacht, auch wenn der Begriff eigentlich nicht so gemeint war. Es breiten sich gute Verhaltensweisen aus: Nächstenliebe, Interesse am anderen, geschenkte Zeit und Möglichkeiten zum Nachdenken. Menschen setzen ihre Prioritäten neu. Sich nicht persönlich treffen zu können, heißt nicht, keinen Kontakt zu haben. Die technischen Möglichkeiten, die schon lange da waren, werden vermehrt genutzt, um soziale Kontakte zu pflegen. Gespräche werden bedeutungsvoller. Das Smartphone wird wieder zum Telefonieren genutzt und mit weniger Ablenkungen fällt die Aufmerksamkeit mehr auf den Mitmenschen.

Und mitten in diese turbulente Zeit fällt das Osterfest. Auch wenn Ostern normalerweise nicht so groß gefeiert wird wie Weihnachten, dieses Jahr wird es wohl noch weniger sein. Die Kinder sind nicht in den lang ersehnten Ferien. Keine Familie fährt in den Urlaub. Mit ihren Freunden konnten die Kinder schon lange nicht mehr spielen. Der Besuch bei den Großeltern fällt aus, denn diese müssen besonders geschützt werden. Gottesdienste werden die meisten, wenn überhaupt, zu Hause feiern. Diese Ereignis vom Tod und der Auferstehung Jesu Christi scheint so weit weg, denn wir haben gerade genug mit uns selbst zu tun.

Dieses Osterfest ist das erste seit Jahrzehnten, an dem sich die ganze Welt eher wie am hoffnungslosen Karfreitag fühlt als am frohen Ostersonntag. Wir können die Frauen und Männer unter dem Kreuz etwas besser verstehen, die zusehen mussten, wie ihre große Hoffnung buchstäblich starb. Auf diesen Jesus hatten sie alles gesetzt und nun war er tot – ohne die Welt verändert und ihr Volk aus der Herrschaft der Römer befreit zu haben. An Karfreitag breitete sich Trauer, Hoffnungslosigkeit und Unsicherheit aus. Hatten sich die Jünger und Jüngerinnen den falschen Meister gewählt?

Viele Menschen stehen gerade vor Problemen und was eigentlich sicher schien, ist nun mehr als ungewiss. Was ist, wenn ich mich mit dem Virus anstecke? Wie geht es in meiner Arbeit weiter? Wie lange werden wir mit Einschränkungen leben müssen? Was ist mit meinen persönlichen Plänen für die nächsten Monate? Wir hatten unsere Leben unter Kontrolle. Ein für die einen mild verlaufender und für die anderen tödlicher Virus hat uns eines Besseren belehrt.

Die Bibel berichtet uns nicht, was Jesu Nachfolger in den Stunden nach seinem Tod machten. Einige Frauen waren bei seiner Beisetzung vor Ort und wussten so, wo sein Grab war. Doch dann hielten sicherlich auch sie die Ruhe des Sabbats ein und trauerten um ihren Herrn. Bestimmt wollte niemand von ihnen das Passah-Fest feiern, das gerade in Jerusalem stattfand.

Drei Tage später hatten ihre Verzweiflung und Trauer sicherlich noch nicht abgenommen. Die Frauen machten sich auf, um ihrem Herrn und Freund die letzte Ehre zu erweisen. Keiner von ihnen hatte gedacht, dass sich an diesem Tag alles ändern würde. Doch das war Ostern: Von Jesus selbst angekündigt, von keinem wirklich erwartet und doch unglaublich geschehen. Jesus war lebendig. Der Tod hat ihn nicht halten können.

Plötzlich breiteten sich Hoffnung und Glaube aus. Und diese Ausbreitung ging wie ein Lauffeuer (oder ein ansteckender Virus) durch die Reihen der Jünger: „Jesus lebt! Er ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!“

Wir wissen, dass es eine Zeit nach Covid-19 geben wird – wenn auch manches nie wieder so sein wird wie vorher. Hoffentlich nehmen wir mehr von den positiven Dingen aus dieser Krise mit als von den negativen. Hoffentlich lassen wir den Egoismus und die Angst zurück und behalten die Menschlichkeit und die Nächstenliebe.

Die Botschaft von dem Tod und der Auferstehung Jesu breitete sich damals schnell aus – zuerst unter den Jüngern, die Jesus persönlich kannten und dann auch bei vielen anderen seiner Zeitgenossen. Die Osterbotschaft war so brisant, dass Gegner alles Mögliche versuchten, um sie zu stoppen: Verfolgung, Gefängnisstrafen und sogar Hinrichtungen. Viele Christen litten oder starben, um dieses Evangelium in die Welt hinauszutragen.

Heute breitet sich ein Virus schneller aus als die Botschaft des Evangeliums. Wir als Christen haben eine andere Perspektive und eine andere Hoffnung an diesem Osterfest. Wir glauben an den auferstandenen Jesus: Der Jesus, der unser Leiden und unsere Angst verstehen kann, denn er erfuhr sie am Gründonnerstag und am Karfreitag am eigenen Leib. Aber auch der Jesus, der die Angst besiegte und uns eine ewige Hoffnung schenkte, die über diese Welt hinausgeht.

Gerade jetzt ist die Botschaft von Ostern wichtiger denn je. Gerade jetzt können Christen einen Unterschied machen. Gerade jetzt können wir Hoffnung bringen und für andere da sein und unser Umfeld mit etwas Positivem anstecken. Beteiligen wir uns an der Ausbreitung dieser guten Nachricht, um das Osterfest heute lebendig werden zu lassen!

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