Wieso viele das Fasten falsch verstehen

Morgen beginnt sie wieder… die Zeit des Jahres, in der die einen auf Sachen verzichten, während die anderen dieses „fasten“ völlig ignorieren. Aber was hat es denn eigentlich mit dem Fasten auf sich?

40 Tage, von Aschermittwoch bis Ostern, wird gefastet – die Zahl 40 ist in der Bibel sehr beliebt, ob 40 Jahre bei Noahs Sintflut oder dem Umherwandern des Volkes Israel in der Wüste; oder die 40 Tage, in denen Jesus allein in der Wüste war (Matthäus 4,2).

Fasten ist etwas, was in der Bibel häufig vorkommt, doch ganz anders gehandhabt wird, als es in der Fastenzeit von vielen praktiziert wird. In der Bibel hat Fasten nicht nur mit Verzicht zu tun, sondern vor allem darum, was man stattdessen tut. Der Grund des Fastens ist es, sich Zeit zu nehmen, um sich auf Gott zu konzentrieren. Also: es wird auf Essen verzichtet und die Zeit, die man zum Essen bräuchte, verbringt man mit Gott.

Leider habe ich das Gefühl, heutzutage wird nur der erste Schritt des Fastens getan und der zweite weggelassen: Verzicht ohne Ersatz. Klar tut man in der Zeit dann irgendwas anderes, aber nicht unbedingt etwas sinnvolleres. Es geht eher um die persönliche Herausforderung, etwas „normales“ wegzulassen, um sich 40  Tage sowohl besser als auch schlechter zu fühlen und danach genauso weiterzumachen wie vorher.

Ein solches Fasten kann einem vieles bewusst machen, zum Beispiel den Luxus den man genießen darf oder wie viel Zeit man mit bestimmten Dingen verbringt, doch wirkliche Auswirkungen hat es meistens nicht. An Ostern wird das nächste Stück Schokolade gegessen, eine Flasche Wein aufgemacht, der Fernseher angeschaltet oder Instagram aufgerufen als wäre nichts gewesen. Nur, dass man sich 40 Tage darauf gefreut hat und es vielleicht etwas bewusster tut.

Jesus hat nicht nur selbst gefastet, sondern auch das Fasten der Menschen zu seiner Zeit kritisiert. In der Bergpredigt sagt er:

»Wenn ihr fastet, macht kein leidendes Gesicht wie die Scheinheiligen. Sie vernachlässigen ihr Aussehen, damit die Leute sehen, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben damit ihren Lohn schon bekommen! Wenn du fastest, salbe deinen Kopf und wasche dein Gesicht! Tu das, damit niemand bemerkt, dass du fastest – außer deinem Vater, der im Verborgenen ist. Und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen.« (Matthäus 6,16-18, Basisbibel)

Im Klartext: Kein #40Tageohne oder Statusnachrichten wie „Ich vermisse Schokolade“ – keiner soll es mitbekommen, weil es nicht um andere geht, sondern um Gott. Es geht nicht darum, anderen die Ohren voll zu heulen oder stolz zu erzählen, auf was man verzichtet, damit sie beeindruckt sind oder ein schlechtes Gewissen bekommen; der Grund fürs Fasten weniger egoistisch als gottzentriert.

Wenn jemand so fastet, wie es in der Bibel beschrieben wird, dann stehe ich persönlich voll dahinter. Alle anderen nehmen meiner Ansicht nach die Fastenzeit als Begründung, eine zeitlich begrenzte „Diät“ jeglicher Art zu machen und Selbstdisziplin zu üben – was völlig okay ist, aber absolut nichts mit der Vorbereitung auf Ostern oder der Stärkung des Glaubens zu tun hat.

Deswegen werde ich nicht Fasten und auch niemanden „bemitleiden“ der auf etwas verzichtet. Ich lerne Gott nicht näher kennen, nur weil ich ein paar Wochen die Finger von meinem Süßigkeitenschrank lasse oder weniger Serien schaue. Stattdessen will ich mir überlegen, wie ich ohne eine Fasten-Auszeit mitten im Alltag durch bewusste Entscheidungen und auch Verzicht Zeit mit Gott verbringen kann.

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