… wer ist die Schönste im ganzen Land?

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land??“ – irgendwie war die böse Stiefmutter von Schneewittchen moderner als die Brüder Grimm das wohl damals vermuteten. Wahrscheinlicher aber ist, dass die Sache mit der Schönheit und dem Aussehen, damals wie heute, immer noch ein großes Thema ist. Wer etwas anderes behauptet hat keinen Zugang zu Medien oder keinen Kontakt zur Außenwelt.

Jetzt wird die Welt wieder überflutet mit Diät-Plänen und Tipps gegen die fiesen Pfunde, die man sich an den Festtagen bei diversen Fressgelagen angefuttert hat. Und als Neujahrs-Vorsatz macht sich das mit dem Abnehmen auch nicht schlecht. Medien gaukeln uns vor, dass wir nur glücklich sein können, wenn wir den perfekten Körper haben und auch nur damit bekommen wir den Traummann/ die Traumfrau.

Ich brauche dir wohl nicht zu erzählen, wie wenig ich von diesem Abnehm-Wahn halte (um ehrlich zu sein esse ich viel zu gerne um da mitzuspielen 😉 ). Mein scherzhaft gefragter Spruch: „Heißt das, ich bin FETT??“ wird von meinen Freunden schon vorausgesetzt und entsprechend energisch mit „JA!“ beantwortet.

Spieglein, Spieglein an der Wand...
Spieglein, Spieglein an der Wand…

Allerdings war ich nicht immer so. Gerade in meinen Teenager-Jahren hatte ich eindeutig ein paar Kilos zu viel auf den Rippen (die haben sich inzwischen verwachsen, ganz ohne Diät) – und ich war mir dessen mehr als bewusst,  auch wenn ich es mir nicht anmerken ließ. Ich verglich mich oft mit anderen und stellte fest, dass ich auf keinen Fall und nicht mal annähernd die Schönste im ganzen Land war. Ich hätte mich eher zur Kategorie des hässlichen Entleins gezählt.

Gerade wenn es ums eigene Aussehen geht, sieht man oft nur das Negative. Hier zu viel Fett, da zu wenig Muskeln, die Ohren zu groß, die Nase zu klein und die Frisur zerstört. Wir haben gelernt, nach Fehlern zu suchen und sie durch Make-Up und Ablenkung auf unsere guten Seiten zu überdecken.

Richtig übel ist es, wenn man wegen seines Aussehens gemobbt wird. Ein junges Mädchen wird wohl nie den Schmerz vergessen, wenn ihr jemand sagt, dass es „hässlich“ ist.

Vor ein paar Tagen sah ich einen Film, bei dem mir ein Satz besonders hängen geblieben ist. Ein Junge fragte seine Mutter, warum Gott seinen Klassenkameraden so schuf, dass alle ihn wegen seines Aussehens hänselten. Sie antwortete mit einem genialen Satz:

„Maybe because God didn’t see anything wrong with him in the first place.“ („Vielleicht hat Gott von vornherein nichts Falsches an ihm gesehen.“)

Ich denke, an dieser Aussage ist einiges dran, was das Bild von uns selbst und unser Bild über unsere Mitmenschen verändern kann.

Gott hat uns wunderbar gemacht, jeden einzigartig und schön. Wir sind sein Ebenbild und sein Meisterwerk. In seinen Augen war der Mensch „sehr gut“, die Krönung der Schöpfung. Und ich wage einmal zu behaupten, dass Adam und Eva im Paradies das Wort „hässlich“ nicht kannten. Die ganze „Was ist schön“-Sache riecht nach einer Art, uns unzufrieden zu machen, uns zum vergleichen zu bringen und gegenseitig auszuspielen – das würde Gott nie tun.

In der Bibel steht außerdem :

Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? (1.Kor. 1,19)

Das bedeutet nichts anderes, als dass Gott selbst in uns wohnen will, in unserem Herzen.

Als das Volk Israel den Tempel für Gott baute, sagte er ihnen sehr genau, wie dieser auszusehen hatte. Wenn jetzt also unser Körper als Tempel Gottes dienen soll, hat er sicherlich auch auf unser Aussehen geachtet und uns genau den richtigen Look verpasst. Das heißt, dass wir auf unseren Körper achten und ihn pflegen sollen, aber nicht krampfhaft versuchen, ihn zu „verschönern“. Für Gott ist er schon wunderschön, genau, wie er es geplant hat!

Diese Feststellung bedeutet für mich zwei Dinge:

1. Ich bin gut so, wie ich bin und Gott liebt mich so wie ich bin. Ich brauche mich nicht aufhübschen oder versuchen, schöner oder perfekter zu werden. Ich will meinen Körper versorgen, nicht quälen. Also keine Hunger-Diäten, kein Fettabsaugen, keine Schönheits-OPs und keine Tonnen an Make-Up um eine perfekte Maske zu malen! (Übrigens habe ich nichts gegen Make-Up oder schminken, ich tue es nur nicht, was wohl eher daran liegt, dass ich den Aufwand nicht will und etwas unfähig bin 😛 )

2. Andere nach ihrem Aussehen zu beurteilen geht gar nicht. Wenn Gott jeden geschaffen hat, woher nehme ich dann das Recht, über meine Mitgeschöpfe zu urteilen und Schönheit zu definieren?

Es ist schwer, seine eigene Schönheit zu sehen und aufzuhören, andere zu bewerten und sich mit ihnen zu vergleichen. Trotzdem lohnt es sich, zu versuchen. Sicherlich ist das unglaublich befreiend. Und verändert die Sicht auf sich und andere komplett.

Ich will es versuchen – machst du mit?

photo credit: Alba Soler Photography via photopin cc

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